Vorträge 2013

7.1.2013 – Willy Müller (BBG Bern): Neophyten aus der Nähe
Floren, ob mit Zeichnungen oder Fotos, zeigen in der Regel nur wenige Ansichten einer Art. Bei Herbar-Belegen ist das natürliche Erscheinungsbild oft nur zu erraten. Seit Jahren arbeite ich daran, von den Schweizer Pflanzen Bildportraits zu erstellen, welche die Arten möglichst umfassend zeigen. Gegenüberstellungen von schwierig zu unterscheidenden Arten erleichtern die Bestimmung. Im Vortrag präsentiere ich als erste Beispiele meines Projekts u.a. die Neophyten-Familien Malvaceae und Balsaminaceae.

14.1.2013 – Dr. Thomas Wohlgemut (WSL, Zürcherische Botanische Gesellschaft ZBG): 174 Jahre nach Kölliker – Zeit für eine neue Flora des Kantons Zürich
Seit dem März 2012 kartieren die Mitglieder der alteingesessene Zürcherischen Botanische Gesellschaft die Flora des Kantons Zürich (FloZ). Hierzu werden Vorkommen und Abundanz von allen Farn- und Blütenpflanzen in systematischer Weise auf einem Neuntel der Kantonsfläche erfasst, genauer 208 Kartierquadrate von je 1 km2 Grösse. Bereits stehen rund 70 ehrenamtliche Botaniker und Botanikerinnen im Einsatz. Ergänzt wird das Inventar durch eine Wiederkartierung der Welten & Sutter-Kartierflächen, wodurch ein Vergleich der Flora mit dem Zustand vor rund 40 Jahren möglich sein wird. Ein wichtiger Bestandteil der Kartierung sind die jährlich stattfindenden FloZ-Camps, wo sich Profis und Laien im Kartieren üben. Empirisch festgelegt wurden eine optimale Kartierzeit von 40 bis 60 h und eine optimale Wegstrecke von 15 bis 30 km pro Quadrat. Erste Erfahrungen und Resultate werden präsentiert.

21.1.2013 – Dr. Urs Känzig (VOL-LANAT-ANF): Von Zagora fast nach Timbuktu. Ein floristisch-faunistischer Reisebericht aus dem südlichen Marokko
Der Name Sahara löst viele Assoziationen aus: Sand, Durst, Tuareg, Dromedar… Die grösste Trockenwüste der Erde reicht bis ins südliche Marokko. Hier findet der Besucher auf vergleichsweise kleinem Raum Stein-, Kies- und Sandwüste, Wadis, Schotts und Oasen mit ihrer typischen Flora und Fauna. Der Vortrag öffnet ein kleines Fenster auf diese faszinierende Region, wie sie zu Fuss erwandert oder auf dem Rücken eines Dromedars erritten werden kann.

11.2.2013 – Adrian Möhl (Botanikreisen Bern): DNA-Jagd von den Alpes Maritimes bis in die Julischen Alpen – ein Blumenstrauss aus dem Projekt PhyloAlp
Das Projekt PhyloAlp hat zum Ziel, eine Phylogenie aller Alpenpflanzen zu erschaffen. Dafür sind DNA- Proben aller Pflanzen des Alpenbogens notwendig. Auf der Jagd nach all diesen Pflanzenproben sind nicht nur ein bunter Blumenstrauss von Alpenpflanzen zusammen gekommen, sondern auch viele spannende Geschichten und Begegnungen. Der Vortrag gibt sowohl einen kleinen Einblick in ein interessantes Projekt – es wird hier auch von einigen ganz besonderen Funden und Begegnungen erzählt.
Ab 18.00 Uhr: Bücher/Büchertausch

18.2.2013 – Brigitte Holzer und Res Hofmann (Abteilung Naturförderung ANF): 20 Jahre später – Überarbeitung der Inventare im Kanton Bern
Auch Inventare altern. Seit 2011 und bis ins Jahr 2014 sollen alle Feuchtgebiete und Trockenstandorte des kantonalen Inventars erneut kartiert und entsprechend aktualisiert werden. Wir bieten Einblick in das Projekt ‚Objektkontrolle FG/TS‘, von A wie Anmarsch zur Objektkontrolle bis Z wie Zahlung der Bewirtschaftungsbeiträge. Der Stand der Kartierung, erste quantitative und qualitative Resultate und Vergleiche sowie Gedanken zu einer möglichst wirksamen Umsetzung werden präsentiert.

25.2.2013 – André Michel (BBG Bern): Floristische, landschaftliche und kulturelle Impressionen von einer Exkursion mit Botanikern einer Russischen Universität ins Altai-Gebiet
Dia-Vortrag in Stereo-Projektion.

4.3.2013 – Jahresversammlung: Jahresbericht, Jahresrechnung und Kurz-Beiträge aus der Reihe der Mitglieder: (un)gelöste Pflanzenrätsel
Viele von uns haben vor allem im Ausland Pflanzen gesehen und fotografiert, bei welchen wir keinen blassen Schimmer hatten (oder immer noch haben), wo wir sie einordnen sollten. Also, bitte fragliche Bilder ausgraben, kurz bei Stefan Eggenberg melden, wie viele Pflanzenrätsel ihr mitbringen werdet, und die Fotos (oder Herbarbelege) am 4. März 2013 mitbringen.
Mit vereinten Kräften lassen sich wohl manche dieser Rätsel lösen!

Montag, 14. Oktober 2013
Dr. Reto Nyffeler, Institut für Systematische Botanik, Uni Zürich:
Die neue Systematik – Welche Änderungen ergeben sich bei der Benennung unserer heimischen Flora?
Das theoretische Fundament und die Methoden der biologischen Systematik haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten grundsätzlich gewandelt. Mittlerweile wirken sich diese Veränderungen auch auf die Klassifikationssysteme unserer heimischen Flora aus: altbekannte (und bewährte?) Familien gehen verloren oder werden grundsätzlich umgebaut, neue Namen tauchen auf. Diese Veränderungen beschränken sich aber nicht auf die Rangstufe der Familie, sondern finden sich zunehmend auch bei den Gattungen, wie etwa das Beispiel der heimischen Orchideen eindrücklich illustriert. Dieser Vortrag erklärt kurz die theoretischen und methodischen Grundlagen und erläutert die verschiedenen Aspekte der Veränderungen – und den Möglichkeiten diese zu ignorieren – an unterschiedlichen Beispielen der heimischen Flora.

Montag, 21. Oktober 2013
Dr. Peter Neuenschwander, International Institute of Tropical Agriculture (IITA), Bénin:
Biologische Schädlingsbekämpfung von Schwimmpflanzen in Afrika
Die südamerikanische Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) wurde um 1888 als Zierpflanze nach Nordamerika eingeführt und wenig später über die gesamten Tropen verschleppt. Sie hat ein rasantes Wachstum und bildet dichte, lichtundurchlässige Matten, wodurch andere Wasserpflanzen verdrängt werden. Sie wurde in über 50 Ländern zu einem der schlimmsten Unkräuter. Sie verhindert Schifffahrt, Handel und Fischerei, fördert Infektionskrankheiten und hat zur Aufgabe von ganzen Siedlungen geführt. Wasserfarn (Salvinia molesta) und Wassersalat (Pistia stratiotes) sind zwei weitere äusserst schädliche Schwimmpflanzen mit ähnlicher Herkunft und Verbreitung. Durch das Ausbreiten von hochspezifischen Rüsselkäfern aus der alten Heimat dieser Pflanzen konnten sie jedoch ohne die geringsten negativen Auswirkungen auf einheimische Organismen, teilweise vollständig verdrängt und so das ursprüngliche Ökosystem weitgehend wieder hergestellt werden. Das IITA war dabei verantwortlich für die meisten Arbeiten in Afrika südlich der Sahara und nördlich von Südafrika.

Montag, 11. November 2013
Prof. Dr. Peter Kammer, PH, Bern:
Die Flora Ost-Australiens
Australien ist aus botanischer Sicht wohl der eigentümlichste aller Erdteile. Seit der Aufspaltung Gondwanas erfolgte hier eine explosionsartige Entwicklung von Sippen. Die geographische Isolation Australiens führte dazu, dass heute 80 bis 90 % aller Arten endemisch sind. Im Vortrag werden sowohl die endemischen wie auch die Vegetation prägenden Familien der australischen Flora mit ihren Vertretern und Besonderheiten vorgestellt.

Montag, 18. November 2013
Dunja Al Jabaji, Atelier für Naturschutz und Umweltfragen (UNA), Bern:
Förderung seltener Pflanzenarten in bernischen Kiesgruben
Kiesgruben sind wichtige Rückzugs- und Ausweichgebiete für Arten ruderaler und wechselfeuchter Standorte. Seit 2010 werden im Kanton Bern jährlich Abbaugebiete untersucht, um bedrohte Arten aufzuspüren und zu fördern. Der Vortrag handelt von Lebensräumen und seltenen Arten, die in diesen Abbaugebieten vorkommen. Die Rede ist jedoch auch von Rahmenbedingungen und Partnern, die diese Artensuche auf privaten Firmengeländen ermöglichen. Und nicht zuletzt davon, wie Arten auf Geländen gefördert werden können, die heute so und morgen ganz anders aussehen.

Montag, 2. Dezember 2013
Dr. Karin Marti, topos Marti & Müller, Zürich:
Wiederansiedlung von seltenen Pflanzen im Kanton Zürich
(Ex-situ-Vermehrung und Ansiedlung von Aktionsplanarten Flora der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich)
Rund 50 seltene und gefährdete Pflanzenarten werden von der Fachstelle Naturschutz im Kanton Zürich gefördert, indem für diese Arten Aktionspläne verfasst und umgesetzt werden.
Neben Pflegemassnahmen bei den autochthonen Populationen werden auch Ex-situ- Vermehrungen und Wieder-Ansiedlungen ausgeführt. Der Vortrag zeigt das Vorgehen auf, die geförderten Pflanzenarten, mit Fokus auf den Feuchtgebietsarten, und die Erfahrungen bei der Umsetzung der Aktionspläne.

Montag, 9. Dezember 2013
Dr. Michaela Zeiter, Institut für Pflanzenwissenschaften, Uni Bern:
Von Regendächern und Giesskannen: Streifzug durch Experimente zur Erforschung der Auswirkungen von Trockenheit auf Pflanzengemeinschaften
Klimaszenarien und Klimamodelle rechnen in Zukunft mit einer verstärkten Häufigkeit von extremen Wetterereignissen. Für die terrestrische Vegetation in tiefen und mittleren Lagen der Schweiz ist dabei vor allem die Zunahme der Häufigkeit von Trockenheit von Bedeutung. Im Gegensatz zu den guten Kenntnissen über den Einfluss von Wassermangel bei Zier- und Nutzpflanzen sind die Auswirkungen von Wassermangel auf die Stabilität natürlicher Ökosystemprozesse nach wie vor unbekannt, nicht zuletzt deshalb, weil die Erforschung der Auswirkungen des Wassermangels auf natürliche Vegetationsbestände verschiedenen methodischen Tücken ausgesetzt ist. Wir stellen eine Reihe von abgeschlossenen und laufenden Trockenheits-Experimenten in Heuwiesen und Buchenwäldern der Hochschule HAFL Zollikofen und des Instituts für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern vor. In diesen Studien gehen wir unter anderem folgenden Fragen nach: Sind intensiv oder extensiv genutzte Wiesen empfindlicher gegenüber Trockenheit? Erhöht Trockenheit das Risiko von Invasionen von nicht-einheimischen Pflanzen? Wie wichtig ist lokale Anpassung für den Etablierungserfolg von Keimlingen? Ein spezielles Augenmerk gilt zudem den Vor-und Nachteilen verschiedener methodischer Ansätze.