Vorträge 2009

2. Februar 2009, Adi Möhl, Bern: KönigInnen, 252’513 Datenpunkte und Berge ohne Ende – Das Protea Atlas Projekt in Südafrika
In den Jahren 1991 bis 2003 wurde im südlichen Afrika eine floristische Kartierung durchgeführt, wie sie weltweit wohl einzigartig sein dürfte. Mit über 400 MitarbeiterInnen wurde die Verbreitung der Arten der Familie der Proteaceen kartiert. Von der Touristen-Destination Tafelberg bis in die abgelegensten Gebiete der Halbwüsten im Herzen Südafrikas wurde nach “Silberbäumen”, “Zuckerbüschen” und “Nadelkissen” gesucht. Dabei kamen die erstaunlichsten Pflanzen und Verbreitungsmuster zum Vorschein. Dieser Vortrag stellt dieses Riesenprojekt, die Familie der Proteaceen und deren Heimat, das südliche Afrika vor.

9. Februar 2009, Thomas Breunig, Karlsruhe (D): Floristische Kartierung in Baden-Württemberg
Die floristische Kartierung hat in Baden-Württemberg eine lange Tradition. Nach mehreren Landes- und Regionalfloren im 19. Jahrhundert erschienen bereits im Jahre 1905 die ersten Verbreitungskarten von Pflanzenarten und Artengruppen als Ergebnis der pflanzengeographischen Durchforschung. Ihren vorläufigen Abschluss fand die floristische Kartierung mit der Herausgabe des Grundlagenwerks „Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ zwischen 1990-1998. Die im Jahre 2000 gegründete Botanische Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland e.V. führt nun die Tradition mit modernen Mitteln fort: standardisierte Felderhebungen, digitale
Erfassung der Geländedaten und Fundmeldungen per Internet sind einige Stichworte.

16. Februar 2009, Dr. Heike Hofmann, Biel: Die Moose des Kantons Bern
Wie viele Moose gibt es im Kanton Bern? Welches sind die interessantesten Arten? Wo liegen die artenreichsten Gebiete? Diese und andere Fragen können wir heute klar beantworten, dank 200 Jahren Forschung und Digitalisierung der Daten. In diesem Vortrag wird die Quintessenz der Publikation “Die Moose des Kantons Bern” dargestellt und die Mooswelt des Kantons mit üppigen Bildern zum Leben erweckt.

23. Februar 2009, Dr. Erik Welk, Halle (D): Kartierung von Pflanzenarealen der zentraleuropäischen und der zentralasiatischen Flora
Seit Jahrzehnten beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der Universität Halle mit der Erfassung, Dokumentation, Analyse und Bereitstellung von Daten zur globalen Verbreitung und Bestandssituation von Gefässpflanzen. Im Vortrag wird dargestellt, wie sich die Datenlage in dieser Zeit enorm verändert hat. An verschiedenen Beispielen wird auf die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Gesamtarealanalysen eingegangen, die von phylogeographischen Untersuchungen über naturschutzfachliche Bewertungen bis zu Prognosen neophytischer Ausbreitungsprozesse reichen.

2. März 2009, Hauptversammlung, mit Kurzvorträgen von:
– Joel Baumann: Status und Zukunft der Pflugschar-Stendelwurz (Serapias vomeracea, Orchidaceae) in der Schweiz. – Martina Bisculm: Rekonstruktion der holozänen Vegetationsgeschichte am Lago Gemini (Nord Apennin) mit Makroresten. – Andre Michel: Drei Jahreszeiten auf Teneriffa (Winter, Frühling, Sommer) und ihre botanischen Highlights.

2. November 2009, Dr. Daniela Pauli, Forum Biodiversität, SCNAT, Bern: Biodiversität zwischen Wissenschaft und Politik
Seit dem Erdgipfel von Rio 1992 und der damals verabschiedeten Biodiversitätskonvention ist die biologische Vielfalt auf der politischen Agenda weltweit ein Thema. Dass diese Konvention überhaupt entstand, ist engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu verdanken. Sie hatten festgestellt, dass wertvolle Lebensräume in rasenden Tempo schrumpften und die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten ständig wuchsen. Über diese Entwicklung äusserst besorgt, riefen sie die internationale Staatengemeinschaft zum Handeln auf. Inzwischen haben mehr als 190 Länder die Konvention unterzeichnet und sich damit verpflichtet, nationale Strategien und Aktionspläne zu erarbeiten, wie sie ihre Biodiversität erhalten und nachhaltig nutzen wollen. Die Schweiz hat sich für diesen Schritt lange Zeit gelassen; erst jetzt sind die Arbeiten im Gang. Auch hier war es die Wissenschaft, die den Prozess lanciert und Hand in Hand mit den Naturschutzorganisationen vorangetrieben hat.

9. November 2009, Dr. Daniel M. Moser, Bern: Methodik der Revision der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz
Die Revision der Roten Liste hat das Ziel, die aktuelle Situation der Gefährdungen der Farne und Blütenpflanzen der Schweiz bis in Jahr 2015 aufzuzeigen. Heute sind 30% der Pflanzenarten der Schweiz auf der Roten Liste. Die weiterhin bestehenden negativen Einflüsse wie intensive Raumnutzung, Eutrophierung, zu intensive Nutzung, aber auch die Aufgabe der traditionellen Nutzung in der Landwirtschaft, die Konkurrenz durch die invasiven Neophyten, die mangelhafte Pflege der Naturschutzgebiete und die Klimaeffekte bedrohen nach wie vor die z.T. schwachen Populationen. Wenn die die Biodiversität der Pflanzenwelt in der Schweiz erhalten wollen müssen wesentliche Anstrengungen erfolgen, wie z.B. eine absolute Priorität dieses Anliegens in der Raumplanung.

16. November 2009: PD Dr. Beatrice Senn-Irlet, WSL Birmensdorf und IPS Uni Bern: Pilze in veränderlichen Zeiten
Pilze und Pflanzen bedingen einander auf vielfältige Weise, sei es in der Mykorrhizasymbiose, im Abbau oder in der Schaffung neuer Standorte. Mit dem Landschaftswandel der letzten 100 Jahre haben sich auch die Verhältnisse unter den Pilzen geändert. Änderungen in Land- und Forstwirtschaft, neben Stickstoffdepositionen und Sturmereignisse haben direkte Auswirkungen auf die Zusammensetzung unserer Pilzflora. Auswertungen der nationalen Datenbank über Pilze, die auch zur Ausarbeitung der Roten Liste der gefährdeten Pilzarten geführt haben, sollen dies illustrieren.

30. November 2009, Jacqueline van Leeuwen und Dr. Pim van der Knaap, IPS Uni Bern: Australien blüht auch im Winter
Der Winter ist nicht die beste Jahreszeit zum Botanisieren – dachten wir, wie wir im Juni (Südwinter) dorthin reisten. Aber wir trafen eine erstaunliche Vielfalt blühender Pflanzen an, insbesondere in der Halb-Wüste: die ganze Vegetation war grün – was eigentlich kein Wunder in einer Landschaft, in der alle Pflanzen immergrün sind, sogar die Gräser. Come and see!

7. Dezember 2009, Prof. Dr. Stefanie Jacomet, IPNA/IPAS, Uni Basel: Geschichte der anthropogen beeinflussten Flora in der erweiterten Region Basel: Ergebnisse archäobotanischer Untersuchungen der letzten 25 Jahre
Seit rund 30 Jahren werden an der Universität Basel Pflanzenreste von archäologischen Ausgrabungen, insbesondere auch aus der Basler Region, untersucht. Seit Ende der 1980er Jahre werden diese in einer relationalen Datenbank erfasst. Die Menge und Qualität der Daten erlaubt es jetzt, erstmals eine übergreifende Auswertung aller in der erweiterten Regio Basiliensis gesammelten archäobotanischen Daten vorzulegen. Der im Vortrag behandelte Zeitraum umfasst die Zeit seit den frühesten grösseren aktiven Eingriffen des Menschen in der Jungsteinzeit, ab etwa 5500 vor Christus, als Ackerbau und Viehzucht eingeführt wurden, bis in das 18. Jahrhundert nach Christus, also die Neuzeit. Die Datenbasis ist die Untersuchung von über 3400 Bodenproben mit einem Gesamtvolumen von über 12'200 Litern Bodenmaterial und einer Gesamtzahl von über 1 Million Pflanzenresten. Im Ganzen wurden 550 Taxa in den total 131 untersuchten Fundstellen nachgewiesen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Mensch die Landschaft und damit die Pflanzenwelt in den letzten 7’500 Jahren nachhaltig geprägt und verändert hat. Es gibt zwei Zeiträume mit besonders grossen Veränderungen: Die Spätbronzezeit (um 1000 vor Christus) sowie die Römerzeit (ab etwa Christi Geburt). Der Vortrag gibt einen Überblick über die Veränderungen der synanthropen Pflanzenwelt in den letzten rund 7500 Jahren, angefangen bei den Kulturpflanzen, über die Ackerbegleitflora bis hin zu den Taxa des Grünlandes.

14. Dezember 2009, Franz Portmann, Escholzmatt: Botanische Streifzüge im Entlebuch
Im Entlebuch – dem ersten Biosphärenreservat der Schweiz – durchstreifen wir in Wort und Bild Landschaft und Lebensräume mit ihren Pflanzengesellschaften. Dabei werden hauptsächlich zwei Lebensräume, die das Entlebuch weitgehend prägen, näher unter die Lupe genommen: Feuchtgebiete mit ihren Hoch- Übergangs- und Flachmooren und die artenreiche Vegetation der Kalksteingebiete von der Schrattenfluh bis zum Pilatus. Am Schluss des Vortrages werden noch einige botanische Besonderheiten des Entlebuchs vorgestellt und die Anwesenden für weitere botanische Lesestunden im grössten Buch der Welt ermuntert.