Vorträge 2011

10. Januar 2011: Prof. Urs Mühlethaler, Studiengang Forstwirtschaft, SHL Zollikofen: Kein Tapetenwechsel für die Birke – Adaptation als Schlüsselgrösse der zukünftigen Waldbewirtschaftung?
Bäume verharren mehrere Jahrzehnte oder Jahrhunderte am gleichen Standort und sind den Witterungskapriolen schonungslos ausgesetzt. Den Verantwortungsträgern für Wald stellen sich durch den Klimawandel schwierige Fragen zur zukünftigen Waldbewirtschaftung, zum Beispiel: Was geschieht mit den vorhandenen Bäumen, wenn sich das Klima und damit die Standortsbedingungen im laufenden Jahrhundert markant verändern? Was wissen wir über genetisch veranlagte adaptive Muster einzelner Baumarten? Wie können wir dieses lückenhafte Wissen verbessern? Wie soll der zukünftige Wald aussehen, den wir in den nächsten Jahren verjüngen oder neu begründen? Können die Waldbesitzer darauf zählen, dass die Natur sich selber helfen kann oder ist es nötig, eine Adaptationsstrategie zu entwickeln? Wie viel Zeit bleibt dem Förster für die Umsetzung einer solchen Strategie? Welche Risiken und Chancen sind zu beachten und wie werden diese heutzutage gewichtet?

17. Januar 2011: Dr. Martin Stuber (Uni Bern), PD Dr. Matthias Bürgi (WSL Birmensdorf): Hüeterbueb und Heitisträhl – Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz
Die Nutzung des Waldes in der Schweiz erfuhr im Laufe des 20. Jahrhunderts tiefgreifende Umwälzungen. Die Bedeutung des nachwachsenden Rohstoffes Holz ging seit dem 2. Weltkrieg stark zurück, agrarische Waldnutzungsformen (Waldweide, Streue-sammeln, Harzen, Beeren usw.), wie sie in der ersten Jahrhunderthälfte insbesondere in alpinen Regionen noch verbreitet gewesen waren, verschwanden. Diese Waldnutzungen sind oft kaum dokumentiert, obschon sie aus kulturhistorischen und ökologischen Gründen von grossem Interesse wären. Einzig Interviews mit Zeitzeugen ermöglichen es, das traditionelle Wissen von “Hüeterbueben” und um die Verwendung des “Heitisträhls” zu bewahren. Der Vortrag gibt Einblicke in die Vielfalt der traditionellen Waldnutzungen mit einem besonderen Fokus auf die Situation im Kanton Bern.

24. Januar 2011:Prof. Dr. Willy Tinner, Uni Bern, Institut für Pflanzenwissenschaften: Der Schweizer Wald zu prähistorischen Zeiten – Bedeutung für heute und morgen
Die Wälder der Schweiz sind durch Land- und Forstwirtschaft geprägt. Natürliche Archive wie Seen oder Moore erlauben es mittels paläo-ökologischer Ansätze der Frage nachzugehen, wie die Wälder entstanden sind und wie sie in der Vergangenheit genutzt wurden. Die Untersuchung der Walddynamik über die Jahrhunderte und Jahrtausende führt zum besseren Verständnis heutiger und künftiger Entwicklungen, da wichtige Erkenntnisse zur natürlichen Zusammensetzung, zur menschlichen Umgestaltung sowie zur Reaktionsweise der Wälder nach Störungen (beispielsweise Feuer) gewonnen werden. Zudem können die Reaktionsweisen der Wälder auf drastische und abrupte Klimaänderungen der Vergangenheit untersucht werden. Damit entsteht eine ganzheitliche und langfristige Sichtweise, die die kurzfristigen konventionellen Zeitreihen aus Experimenten und Beobachtungen ergänzt und Realitätstests für die Modellierung künftiger Waldveränderungen als Reaktion auf Klimawandel, Störungen und Nutzung erlaubt.

31. Januar 2011: Dr. Niklaus Zimmermann, WSL Birmensdorf: Mögliche Zukunft der Europäischen Gebirgswälder – eine Abschätzung der Effekte des Globalen Wandels auf Wälder und Landschaften
Die Verteilung von Wäldern und Offenland ändert sich momentan, und weitere grössere Veränderungen stehen an in Europa im soeben begonnenen Jahrhundert. Dabei spielen Klima- und Landnutzungswandel eine entscheidende Rolle. Im Allgemeinen erwarten wir, dass sich Baum- und Pflanzenarten in höhere oder nördlichere Lagen verschieben, und dass in vielen Regionen sich wärme- und trockentolerante Arten ausbreiten werden. Der Vortrag gibt Einblick in die Fragen, inwieweit solche Veränderungen bereits beobachtet werden können, wie gut vor allem Bäume mit den raschen Veränderungen umgehen können, und wie die Wälder der Zukunft aussehen könnten. Dabei werden Beispiele aus der Schweiz und aus Europa gezeigt, wobei verschiedene wissenschaftliche Methoden zum Beantworten dieser Fragen angewandt werden.

7. Februar 2011: Dr. Pascale Weber, WSL Birmensdorf: Klimawandel im Wald: Erkenntnisse aus der Jahrringforschung im Wallis und CH Mittelland
Infolge des anthropogenen Klimawandels wird erwartet, dass es zu einer Verschiebung in der Baumarten-Zusammensetzung unserer Wälder kommt. Im inneralpinen Trockental Wallis manifestieren sich bereits heute Absterbeprozesse und ein Wandel der Waldföhrenwälder in Richtung Flaumeiche. Veränderungen im Wachstum von Baumarten und dafür verantwortliche klimatische Einflüsse können anhand jahrringökologischer Methoden untersucht werden. In diesem Vortrag werden Trockenstandorte mit besser wasserversorgten Standorten verglichen und die Bedeutung der dendroökologischen Resultate wird im Kontext der Klimaveränderung diskutiert.

14. Februar 2011: Dr. Werner Suter, WSL Birmensdorf: Wald und Wild – Biologie eines Nutzungskonflikts
Hinter dem Konflikt um „Wildverbiss“ steht die Befürchtung, dass der Einfluss der einheimischen wilden Huftiere durch das Äsen von Baumtrieben („browsing“) die Waldverjüngung behindere oder verunmögliche. Der Vortrag geht der Frage nach, wie der Einfluss der Herbivoren in den gängigen forstlichen Ansätzen untersucht wird und welche Schlussfolgerungen gezogen werden. Diese werden im Rahmen ökologischer und populationsbiologischer Überlegungen zu Baum- und Huftierpopulationen geprüft und mit den Ergebnissen entsprechender Untersuchungen verglichen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Frage, für welche räumlichen und zeitlichen Skalen verschiedene Zusammenhänge gültig sind. Die Überlegungen zeigen, dass die gängigen Ansätze des relativ grossflächigen Verbissmonitorings kaum Aussagen zur erwarteten Walddynamik unter Huftiereinfluss liefern und besser durch gezielte punktuelle Massnahmen im Rahmen klar definierter Managementziele ersetzt würden.

21. Februar 2011: Hauptversammlung der BBG: Jahresbericht, Jahresrechnung…und Baumästhetik – alle sind eingeladen, ihre schönsten Baumbilder zu zeigen!

17. Oktober 2011, Dr. Dominique Guenat, Schweiz. Hochschule für Landwirtschaft SHL, Zollikofen: Kartoffelanbau in Bhutan: zum essen oder zum verkaufen?
In Zentral-Bhutan, bis Ende der siebziger Jahre, wurden Kartoffeln fast nur in Hausgärten angebaut, für den eigenen Konsum der Familien, und zwar als Gemüse. Dann kamen grosse Baumaschinen aus Indien die eine Strassenverbindung mit Indien eröffneten. Der Weg zum Markt! Kartoffelanbau wurde allmählich expandiert, bis (fast) jeder bhutanesische Bauer in dieser Region zum Kartoffelbauer wurde. Der Kartoffelkonsum hat in dieser Zeit aber kaum zugenommen, die ganze Produktion wurde verkauft, meistens um Reis zu kaufen… denn in Bhutan Reis essen ist richtig essen!

24. Oktober 2011, Philipp Holzherr, Projektleiter Garten- & Ackerpflanzen, ProSpecieRara, Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren: Blaue Schweden, knorrige Parli – der Kartoffel-Schatz aus der Schweiz
Die Vielfalt an lokalen Nahrungspflanzen war vor der globalisierten Zeit beträchtlich. Nicht nur für die einzelne Bauernfamilie oder Gemeinde, sondern über das ganze Land oder den Kontinent gesehen. Traditionelle Kartoffelsorten erzählen bis heute von dieser Zeit. Die Stiftung ProSpecieRara sorgt dafür, diese Vielfalt zu erhalten, sowie Liebhabern und Feinschmeckern zugänglich zu machen. Dass der Schweizer Kartoffel-Schatz sogar zur Nahrungsgrundlage der Zukunft beiträgt, ist die aktuelle, grosse Herausforderung.

31. Oktober 2011, Beat Fischer, Büro für Angewandte Biologie, Bern. Luberon – ein farbiger Blumenstrauss aus der Provence
Die Gebirgskette des Luberons in Südfrankreich zählt zu den letzten Ausläufern der Alpen und wird durch ein mildes, mediterranes Klima beeinflusst. Die ländlich geprägte Gegend ist durch seine auf Felshängen thronenden malerischen Dörfer bekannt und besticht durch ihre vielfältigen Strukturen: Bunte Lavendelfelder wechseln sich ab mit attraktiven Trockenwiesen und kleinräumigen Garrigue-Flächen. Die lichten Wälder werden von Flaum- und Stein-Eichen dominiert. Auch dank der extensiven Landwirtschaft und den geologischen Besonderheiten findet sich im Luberon eine artenreiche Flora mit rund 1500 Pflanzenarten, inklusive dem Zapfenkopf (Rhaponticum coniferum), der Lorbeerblättrigen Zistrose (Cistus laurifolius) oder der Schnepfen-Ragwurz (Ophrys scolopax).

14. November 2011, Dr. Kathrin Studer, Freischaffende Botanikerin, 3074 Muri, Goetheanistische Botanik – was bedeutet sie mir?
Nachdem ich am Berner Institut of Plant Sciences über Jahre Bewegungen in Pflanzengesellschaften im kleinen Massstab untersucht habe, bin ich während meiner Mutterschafts-Auszeit auf die Arbeiten der klassischen goetheanistischen Botaniker gestossen. Zahlreiche Untersuchungen beschreiben die Lebensbewegungen von Pflanzenindividuen (Ontogenese) wie auch diejenigen der Artenentwicklung (Phylogenese). An Beispielen soll vorgestellt werden, welche Entwicklungsbewegungen beschrieben sind und wie sie in Zusammenhang mit der Umwelt gebracht werden. Der Zusammenhang zwischen dieser Forschung und Goethes naturwissenschaftlicher Methodik soll beleuchtet werden.

21. November 2011, Peer Schilperoord, Biologe, Alvaneu: Weizen, eine goetheanistische Betrachtung
Der Weizen ist in aller Munde und trotzdem als Pflanze eine grosse Unbekannte. Nur wenige Menschen können mit Sicherheit die Hauptgetreidearten Weizen, Gerste und Roggen von einander unterscheiden. Wie kann man die Gestalt der Getreidepflanze verstehen? Wie lässt sich der Weizen charakterisieren. Hat das eine Bedeutung für den Qualitätsbegriff? Wie unterscheiden sich Landsorten von modernen Zuchtsorten und ist die “Sehnsucht” nach alten Sorten berechtigt? Das Ziel der goetheanistischen Methode ist eine intensive Begegnung mit der Pflanze und dadurch zu einem vertieften Verstehen.

28. November 2011 Zibele-Märit

5. Dezember 2011, Esther Meduna, Projektkoordinatorin Zierpflanzen, ProSpecieRara, Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren: Eiger, Mönch und Jungfrau – Was haben Bergnamen mit Zierpflanzen zu tun?
Häufig erhielten Schweizer Zierpflanzenzüchtungen die Namen der umliegenden Bergen, Seen oder Städten. Viele dieser Sorten sind mittlerweile aber bereits nicht mehr vorhanden. Deswegen hat ProSpecieRara das Zierpflanzen-projekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, Zierpflanzen einerseits als Zeitzeugen und andererseits als Teil unseres kulturellen Erbes zu bewahren. Anhand von Beispielen wird die Erhaltungsarbeit von ProSpecieRara vorgestellt.

12. Dezember 2011, PD Dr. Hans-Christoph Vahle, Akademie für angewandte Vegetationskunde, Witten (D): Ravensberger LichtLandschaften – Steigerung der Vegetationsvielfalt in einer ausgeräumten Agrarlandschaft nördlich von Bielefeld
Auch in einer intensiv genutzten westfälischen Ackerbaulandschaft schlummert ein großes Potenzial ganz anderer Möglichkeiten. Mit Hilfe der Pflanzensoziologie finden wir heraus, welche Vielfalt an Wildpflanzen-Arten und -Gesellschaften hier wachsen könnte. Wir legen dabei den Schwerpunkt auf extensive Kulturlandschafts-Vegetation, die durch Lichtstellung vom Menschen erhalten wird, wie Wiesen, Heiden und Klarwasser-Teiche. Durch unsere tatkräftige Initiativgruppe werden diese artenreichen, seltenen und regionaltypischen Pflanzengesellschaften neu etabliert.