Vortragsprogramm Winter 2020/21

Fernweh und botanische Kuriositäten

Flyer Vorträge BBG Winter 2020-21

Montag, 23. November 2020
Das Bündnerland erfahren – Botanische und faunistische Entdeckungen entlang des Veloweges
Nico Heer
In die Ferne schweifen – ein schwieriges Unterfangen im Jahr 2020! Wir wollten nichts unversucht lassen und sattelten daher um: Statt vier Wochen mit dem Velo durch Italien zu fahren, ging es von Bern aus über vier Alpenpässe bis ins 350 km entfernte Unterengadin, eine für uns bis anhin noch unbekannte Region. Unsere Flexibilität und Unvoreingenommenheit wurde reichlich belohnt, denn es fanden sich zahlreiche Überraschungen und Leckerbissen entlang des Wegrandes, welche nicht nur das Botaniker-Herz höherschlagen liessen. Dass mit etwas Spontanität, Offenheit und einer Prise Glück auch in diesem Jahr wunderbare Naturerlebnisse möglich waren, davon soll dieser persönliche Reisebericht erzählen.

Montag, 7. Dezember 2020
Botanische Abenteuer auf den Philippinen
Mathias Scharmann, Department of Ecology and Evolution, Universität Lausanne
Die Philippinen sind in vielerlei Hinsicht faszinierend, aber für Pflanzenliebhaber ganz besonders anziehend aufgrund der Vielfalt an endemischen Arten und Lebensräumen, die von Korallenstränden über tropische Regenwälder und Savannen bis ins Hochgebirge reichen. Dieser Vortrag stellt die Philippinen vor und erzählt von einer Reise auf die Inseln Luzon, Mindanao, Sibuyan und Palawan. Dabei werden viele fleischfressende Kannenpflanzen (Nepenthes) und andere Entdeckungen mit ihren oft fantastischen Habitaten vorgestellt.

Montag, 14. Dezember 2020
Biologische Vielfalt und Bionik – technische Innovationen aus der der Natur
Wilhelm Barthlott, Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen, Universität Bonn
Leben und dessen Vielfalt sind das Alleinstellungsmerkmal unseres Planeten. Eine scheinbar unerschöpfliche Biodiversität entstand in einer halben Milliarde Jahren der Evolution: Man schätzt, dass mehr als 10 Millionen Arten existieren, von denen nur 1,56 Millionen bekannt sind. Entstehen und Aussterben von Arten waren immer gekoppelt – aber durch den Ressourcenverbrauch von 7 Milliarden Menschen mit all seinen Folgen (Umweltbelastungen, Klimaänderung, Globalisierung, invasive Arten) stehen wir vermutlich im Beginn des Anthropozäns vor einer Aussterbe-Katastrophe erdgeschichtlichen Ausmaßes.
Die biologische Vielfalt bietet „lebende Prototypen“ für technische Innovationen. Ein schnell wachsendes und scheinbar neues Forschungsgebiet entstand in den letzten 50 Jahren: Bionik und Biomimetics. Es ist aber viel älter: frühe Meilensteine sind die elektrische Batterie nach dem Vorbild des Zitterrochens (A. Volta, 1800) und bioinspirierte Flugapparate (G. Lilienthal, 1888). Der Vortrag konzentriert sich auf biologische Oberflächen, die seit unserer Entdeckung des Lotus-Effekts eine Vielzahl unerwarteter Innovationen hervorgebracht haben. Wir stehen am Beginn eines Paradigmenwechsels zu neuartigen und alternativen bioinspirierten Technologien.

Montag, 11. Januar 2021
Die kuriosen Beutefangstrategien von fleischfressenden Kannenpflanzen
Katja Rembold, Botanischer Garten der Universität Bern
Die Gattung Nepenthes (Nepenthaceae) umfasst ca. 160 Arten fleischfressender Kannenpflanzen. Das Diversitätszentrum von Nepenthes liegt in Südostasien, wobei sich das gesamte Verbreitungsgebiet von Madagaskar bis Neukaledonien und von China bis Nordaustralien erstreckt. Über all diese Regionen hinweg bietet die karnivore Ernährung den Kannenpflanzen eine zusätzliche Nährstoffquelle und erlaubt es ihnen so, ausgesprochen nährstoffarme Böden zu besiedeln oder epiphytisch zu wachsen. Die modifizierten, kannenförmigen Blätter produzieren Nektar und weisen of süsse Düfte und leuchtende Farben auf, wodurch Beutetiere angelockt werden. Fallen diese in die Verdauungsflüssigkeit im Kanneninneren, ertrinken sie und werden enzymatisch zersetzt. Über Drüsen sind die Pflanzen in der Lage, die freigesetzten Nährstoffe aus der Flüssigkeit zu absorbieren.
Es gibt jedoch einige Nepenthes-Arten, die von diesem Schema abweichen und sich auf ganz bestimmte Beute spezialisieren. Zudem sind Kannenpflanzen nicht nur Todesfallen für wirbellose Tiere, sondern bieten auch Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen. So stellt jede Kanne ein Miniatur-Ökosystem dar, von denen wir einige gemeinsam entdecken werden.

Montag, 18. Januar 2021
Vielfältiges Äthiopien
Kevin Nobs, Verein Aquilegia & skepping GmbH
Durch die interessante geographische Lage Äthiopiens mit seinen Hochebenen und Bergen hat sich in den verschiedenen Klimazonen des Landes eine unterschiedliche Flora und Fauna ausbilden können. Von Savannen über immergrüne Feuchtwälder bis zu Regionen mit afro-alpinem Klima gibt es hier Lebensräume für viele endemische Pflanzen wie der Riesenlobelie Lobelia rhynchopetalum.

Montag, 25. Januar 2021
„Die Düfte des Todes“, chemische Mimikry-Systeme bei Aasfliegenblumen
Andreas Jürgens, Universität Darmstadt
Nicht alle Blüten duften so verführerisch wie Rosen oder Nelken. Manche Blütenpflanzen geben einen Geruch ab, der eher makaber anmutet. Aasfliegenblumen locken mit ihrem Duft Fliegen und Käfer an, die diesen „Duft des Todes“ unwiderstehlich finden. Es handelt sich um Täuschblumen (Mimikry-Systeme), welche etwas vorgeben, was sie nicht sind, nämlich Aas oder Dung. Die Blüten haben aber nicht nur einen makabren Duft, um ihr Ziel – die Bestäubung durch Insekten – zu erreichen. Der Vortrag gibt Einblicke in die bizarren Gerüche, Formen und Farben dieser faszinierenden Blütenpflanzen. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Ländern wird die komplexe, unsichtbare Duftsprache von Blütenpflanzen mit ihrer Umwelt dechiffriert. Dabei werden Einblicke in die Ökologie und Evolution pflanzlicher Duftstoffe gegeben und aufgezeigt, wie es Pflanzen gelingt, Tiere zu täuschen und zu betrügen.

Montag, 8. Februar 2021
Sikkim – Faszinierende Pflanzenwelt an den Hängen des Himalaya
Michael Neumann, Botanische Gärten der Universität Bonn
Es erwartet Sie ein spannender und reich bebilderter Reisebericht aus Sikkim, einer unzugänglichen Region im südlichen Himalaya. Dieses ehemalige Königreich ist heute ein indischer Bundesstaat und grenzt direkt an Nepal, Bhutan und Tibet. Obwohl Sikkim nur ungefähr so gross ist wie der Kanton Graubünden, sind auf dieser kleinen Fläche enorme Höhenunterschiede zu überwinden: das tiefste Tal liegt bei rund 380 Metern, der höchste Berg misst 8586 Meter.
Bei den Reisen durch dieses buddhistische Land können auf kurzer Distanz zahlreiche Vegetationszonen durchquert werden, vom subtropischen Monsunwald in den Tälern bis zur alpinen Flora der Hochlagen. Rund 4000 Pflanzenarten sind aus dieser Region bekannt, aber vieles ist bis heute noch nicht erforscht. Daher wird Michael Neumann auch etliche wunderschöne, aber bislang namenlose Blütenpflanzen vorstellen.

Montag, 1. März 2021
Jahreshauptversammlung mit Kurzvorträgen