Vortragsprogramm Winter 2020/21

Fernweh und botanische Kuriositäten

Flyer Vorträge BBG Winter 2021-22

Montag, 22. November 2021
Warum nicht in die Farne schweifen? – Die Farne, Schachtelhalme und Bärlappe Mitteleuropas
Muriel Bendel
Farnpflanzen wachsen praktisch überall. Zwar besiedeln sie gerne feuchte, schattige Standorte in Wäldern und Schluchten, einige Arten wachsen aber im Blockschutt oberhalb der Waldgrenze, auf trockenen Serpentinfelsen oder im Schilfröhricht, andere schwimmen sogar auf stehenden oder langsam fliessenden Gewässern. Gewisse Arten wiederum haben vom Menschen geschaffene Lebensräume erobert und sind mitten in der Stadt in Mauerritzen oder Lichtschächten zu finden.
Genaugenommen umfassen Farnpflanzen zwei grosse Gruppen, die nicht näher miteinander verwandt sind: Die erdgeschichtlich älteren Bärlappe und ihre Verwandten werden in der Klasse der Lycopodiopsida zusammengefasst. Die erdgeschichtlich jüngere und bedeutend grössere Klasse der Polypodiopsida («Farne» im weiteren Sinn) umfasst neben den «typischen» Farnen auch die Schachtelhalme und Natternzungengewächse.
In der Schweiz sind knapp 100 Farnpflanzenarten bekannt. Diese erkennen wir meist schnell als solche – aber beim Bestimmen der Arten wird es oft knifflig. Das muss nicht sein: Es gibt gute Tricks, um den häufigsten Arten relativ schnell die korrekten Namen geben zu können.
Mindestens so spannend wie das Entdecken und Bestimmen der Arten sind die zahlreichen Geschichten, die sich um Farne ranken: So sind die Kleefarne (Marsilea) die einzigen bekannten Farne, die Schlafbewegungen ausführen, am Abend ihre vier Fiedern nach oben klappen und sie am nächsten Morgen wieder waagrecht ausrichten. Die rauen Sprosse des Winter-Schachtelhalms (Equisetum hyemale) wurden früher gesammelt, gebündelt und als Bürsten oder Schleifpapier verwendet; der englische Artname «scouring rush» (Scheuer-Binse) deutet noch auf diese frühere Nutzung hin. Und beim Adlerfarn (Pteridium aquilinum) können im Frühling an den sich entrollenden Wedeln Ameisen und andere Insekten beobachtet werden, die aus speziellen Strukturen zuckerhaltige Flüssigkeit naschen.

Im Anschluss an den Vortrag Verkauf des Buches von Muriel Bendel und Françoise Alsaker “Farne, Schachtelhalme und Bärlappe – der Naturführer zu den Farnpflanzen Mitteleuropas”, das 2021 im Haupt-Verlag erschienen ist, mit 33% Rabatt für BBG-Mitglieder (statt CHF 39 nur noch CHF 26).

Montag, 6. Dezember 2021
Botanische Abenteuer auf den Philippinen
Mathias Scharmann
Die Philippinen sind in vielerlei Hinsicht faszinierend, aber für Pflanzenliebhaber ganz besonders anziehend aufgrund der Vielfalt an endemischen Arten und Lebensräumen, die von Korallenstränden über tropische Regenwälder und Savannen bis ins Hochgebirge reichen. Dieser Vortrag stellt die Philippinen vor und erzählt von einer Reise auf die Inseln Luzon, Mindanao, Sibuyan und Palawan. Dabei werden viele fleischfressende Kannenpflanzen (Nepenthes) und andere Entdeckungen mit ihren oft fantastischen Habitaten vorgestellt.

Montag, 13. Dezember 2021
Biologische Vielfalt und Bionik – technische Innovationen aus der der Natur
Wilhelm Barthlott
Leben und dessen Vielfalt sind das Alleinstellungsmerkmal unseres Planeten. Eine scheinbar unerschöpfliche Biodiversität entstand in einer halben Milliarde Jahren der Evolution: Man schätzt, dass mehr als 10 Millionen Arten existieren, von denen nur 1,56 Millionen bekannt sind. Entstehen und Aussterben von Arten waren immer gekoppelt – aber durch den Ressourcenverbrauch von 7 Milliarden Menschen mit all seinen Folgen (Umweltbelastungen, Klimaänderung, Globalisierung, invasive Arten) stehen wir vermutlich im Beginn des Anthropozäns vor einer Aussterbe-Katastrophe erdgeschichtlichen Ausmasses.
Die biologische Vielfalt bietet „lebende Prototypen“ für technische Innovationen. Ein schnell wachsendes und scheinbar neues Forschungsgebiet entstand in den letzten 50 Jahren: Bionik und Biomimetics. Es ist aber viel älter: frühe Meilensteine sind die elektrische Batterie nach dem Vorbild des Zitterrochens (A. Volta, 1800) und bioinspirierte Flugapparate (G. Lilienthal, 1888). Der Vortrag konzentriert sich auf biologische Oberflächen, die seit unserer Entdeckung des Lotus-Effekts eine Vielzahl unerwarteter Innovationen hervorgebracht haben. Wir stehen am Beginn eines Paradigmenwechsels zu neuartigen und alternativen bioinspirierten Technologien.

Montag, 10. Januar 2022
Die kuriosen Beutefangstrategien von fleischfressenden Kannenpflanzen
Katja Rembold
Die Gattung Nepenthes (Nepenthaceae) umfasst ca. 160 Arten fleischfressender Kannenpflanzen. Das Diversitätszentrum von Nepenthes liegt in Südostasien, wobei sich das gesamte Verbreitungsgebiet von Madagaskar bis Neukaledonien und von China bis Nordaustralien erstreckt. Über all diese Regionen hinweg bietet die karnivore Ernährung den Kannenpflanzen eine zusätzliche Nährstoffquelle und erlaubt es ihnen so, ausgesprochen nährstoffarme Böden zu besiedeln oder epiphytisch zu wachsen. Die modifizierten, kannenförmigen Blätter produzieren Nektar und weisen of süsse Düfte und leuchtende Farben auf, wodurch Beutetiere angelockt werden. Fallen diese in die Verdauungsflüssigkeit im Kanneninneren, ertrinken sie und werden enzymatisch zersetzt. Über Drüsen sind die Pflanzen in der Lage, die freigesetzten Nährstoffe aus der Flüssigkeit zu absorbieren.
Es gibt jedoch einige Nepenthes-Arten, die von diesem Schema abweichen und sich auf ganz bestimmte Beute spezialisieren. Zudem sind Kannenpflanzen nicht nur Todesfallen für wirbellose Tiere, sondern bieten auch Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen. So stellt jede Kanne ein Miniatur-Ökosystem dar, von denen wir einige gemeinsam entdecken werden.

Montag, 17. Januar 2022
Nordkatalonien – Von der Meeresküste zu den Pyrenäengipfeln
Géraldine Chavey, Valentin Gfeller, Fabian Heussler, Hannah Inniger, Tobias Stöckli
Nur an wenige Orten ist es möglich, den Wechsel des Pflanzenkleides von der Meeresküste bis in die alpine Stufe in kurzer Distanz zu studieren. Nordkatalonien ist ein solcher Ort. Dort wo die östlichen Pyrenäen in das Mittelmeer abtauchen ist die Vielfalt an Arten, Lebensräumen und Lebensformen besonders hoch. Die Anpassungen der Pflanzen und die biogeografischen Zusammenhänge lassen sich besonders gut studieren. An diesem Vortragsabend werden bildreich die Ergebnisse einer Studienreise von Studierenden der Universität Bern präsentiert.

Montag, 24. Januar 2022
Vielfältiges Äthiopien
Kevin Nobs
Durch die interessante geografische Lage Äthiopiens mit seinen Hochebenen und Bergen hat sich in den verschiedenen Klimazonen des Landes eine unterschiedliche Flora und Fauna ausbilden können. Von Savannen über immergrüne Feuchtwälder bis zu Regionen mit afro-alpinem Klima gibt es hier Lebensräume für viele endemische Pflanzen wie der Riesenlobelie Lobelia rhynchopetalum.

Montag, 7. Februar 2022
Sikkim – Faszinierende Pflanzenwelt an den Hängen des Himalaya
Michael Neumann
Es erwartet Sie ein spannender und reich bebilderter Reisebericht aus Sikkim, einer unzugänglichen Region im südlichen Himalaya. Dieses ehemalige Königreich ist heute ein indischer Bundesstaat und grenzt direkt an Nepal, Bhutan und Tibet. Obwohl Sikkim nur ungefähr so gross ist wie der Kanton Graubünden, sind auf dieser kleinen Fläche enorme Höhenunterschiede zu überwinden: das tiefste Tal liegt bei rund 380 Metern, der höchste Berg misst 8586 Meter.
Bei den Reisen durch dieses buddhistische Land können auf kurzer Distanz zahlreiche Vegetationszonen durchquert werden, vom subtropischen Monsunwald in den Tälern bis zur alpinen Flora der Hochlagen. Rund 4000 Pflanzenarten sind aus dieser Region bekannt, aber vieles ist bis heute noch nicht erforscht. Daher wird Michael Neumann auch etliche wunderschöne, aber bislang namenlose Blütenpflanzen vorstellen.

Montag, 14. Februar 2022
„Die Düfte des Todes“, chemische Mimikry-Systeme bei Aasfliegenblumen
Andreas Jürgens
Nicht alle Blüten duften so verführerisch wie Rosen oder Nelken. Manche Blütenpflanzen geben einen Geruch ab, der eher makaber anmutet. Aasfliegenblumen locken mit ihrem Duft Fliegen und Käfer an, die diesen „Duft des Todes“ unwiderstehlich finden. Es handelt sich um Täuschblumen (Mimikry-Systeme), welche etwas vorgeben, was sie nicht sind, nämlich Aas oder Dung. Die Blüten haben aber nicht nur einen makabren Duft, um ihr Ziel – die Bestäubung durch Insekten – zu erreichen. Der Vortrag gibt Einblicke in die bizarren Gerüche, Formen und Farben dieser faszinierenden Blütenpflanzen. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Ländern wird die komplexe, unsichtbare Duftsprache von Blütenpflanzen mit ihrer Umwelt dechiffriert. Dabei werden Einblicke in die Ökologie und Evolution pflanzlicher Duftstoffe gegeben und aufgezeigt, wie es Pflanzen gelingt, Tiere zu täuschen und zu betrügen.

Montag, 28. Feburar 2022
Jahreshauptversammlung mit Kurzvorträgen