Vorträge 2008

21. Januar 2008, Berit Gehrke, Universität Zürich: Die Entwicklung europäisch-asiatischer Pflanzen in afrikanischen Hochgebirgen
Die Gebirge auf dem Afrikanischen Kontinent und Madagaskar beherbergen eine beeindruckende und einzigartige Pflanzenwelt über deren Herkunft lange nur spekuliert werden konnte. Besonders die grosse Anzahl Pflanzen mit vermeintlich europäisch-asiatischen Wurzeln sind ein unerwarteter Anblick. Mit molekular-phylogenetischen Methoden können wir nun zeigen, dass viele Gruppen erst sukzessive aus dem eurasischen Raum eingewandert sind und so zur faszinierenden Vielfalt der Flora in den sogenannten afrotemperaten Regionen beigetragen haben.

28. Januar 2008, Vortrag zum 300. Geburtstages von Albrecht von Haller (1708-1777), Luc Lienhard & Martin Stuber, Bern: Nützliche Pflanzen. Systematische Verzeichnisse von Wild- und Kulturpflanzen im Umfeld der Oekonomischen Gesellschaft Bern, 1762-1782
Albrecht von Haller, fast aufs Jahr genau Zeitgenosse von Carl von Linné, war neben diesem einer der bedeutendsten Botaniker des 18. Jahrhunderts. Bekannt sind vor allem seine Werke zur Flora der Schweiz, bestimmten Regionen Deutschlands und zu ausgewählten Pflanzengruppen. Besonders wichtig war ihm aber auch die praktische Anwendung der Botanik. Die 1759 gegründete Oekonomische Gesellschaft Bern hatte eine optimierte Nutzung der Pflanzenressourcen für Land-, Forstwirtschaft und Gewerbe zum Ziel. Haller war langjähriger Präsident dieser Gesellschaft in deren Umfeld von 1762-1782 elf Pflanzenverzeichnisse von “nützlichen Pflanzen” – drei davon von ihm selbst – publiziert wurden. Der Vortrag möchte die Entstehungsgeschichte dieser Verzeichnisse, ihre internationale Einbettung und ihre Wirkung auf Auswahl von Kulturpflanzen wie, Getreide, Obst, Gemüse, Holz- und Futterpflanzen darstellen.

11. Februar 2008, Adi Möhl, Bern: Im Reich des Feuerbaums – Gebirgsflora und Vegetation Patagoniens
Auf einer Reise entlang der Andengipfel erreichen wir die Gebirgswelt Patagoniens mit ihrer einmaligen Flora und Vegetation. In den südamerikanischen Kältewüsten haben die Pflanzen nur eine kurze Zeit zur Verfügung, um ihren Lebenszyklus zu vollenden – in den Sommermonaten blüht es in den unwirtlichen Gebirgen mit einer Farbenkraft, wie man sie nur selten zu Gesicht bekommt.

18. Februar 2008, Vortrag zum 300. Geburtstages von Albrecht von Haller (1708-1777), Sabine Tschäppeler & Luc Lienhard, Bern: Flora von Bern zur Zeit Hallers und heute
Hallers Flora der Schweiz, erschienen in zwei Auflagen 1742 und 1768, war das erste umfassende Werk über die einheimischen Pflanzen. Neben vielen anderen Informationen sind darin auch für die Zeit aussergewöhnlich detaillierte Fundortsangaben enthalten. Eine vergleichende Analyse dieser Angaben mit dem aktuellen Vorkommen ausgewählter Arten liefert einige Hinweise über die Veränderung des Lebensraum “Bern und Umgebung” seit dem 18. Jahrhundert. Neben dem Aspekt der Rekonstruktion können daraus auch Hinweise für heutige Artenschutzmassnahmen und Wiederansiedlungsprojekte gewonnen werden.

25. Februar 2008, Prof. Dr. Philippe Küpfer, Universität Neuchâtel: Geschichten rund um Enziane
In seiner jahrzehntelangen Forschungstätigkeit beschäftigte sich Philippe Küpfer immer wieder mit den Gentianaceae. Seine Forschungsgruppe beleuchtete diese Familie von verschiedenen Seiten mit den unterschiedlichsten Methoden der Systematik – nicht selten beeinflusste der Forschungsansatz das Resultat wesentlich.

3. März 2008, Hauptversammlung, Kurzvorträge: Dr. Mark van Kleeunen, Dr. Patrick Kuss – Out of Africa – Naturalisierung südafrikanischer Iridaceae in andern Regionen – Back to the Alps – Biologische Netzwerke und Ökosystemstabilität

3. November 2008, Dr. Benoît Sittler, Freiburg i.Brsg. (D): Schutzgebiet-Hierarchien weltweit am Beispiel der Arktis und Russlands
Ausgangspunkt ist eine Übersicht der Schutzgebiet-Strategien und Schutzgebiet-Hierarchien weltweit. Anhand von zwei Beispielen, mit denen der Vortragende besonders vertraut ist, wird aufgezeigt nach welchen Gesichtspunkten und Kriterien Schutzgebiete eingerichtet und organisiert werden. Das Beispiel der Arktis zeigt einen Lebensraumtyp (Tundra), für dessen Schutz mehrere Anliegerstaaten mit unterschiedlichen Gesetzgebungen und Herangehensweisen die Verantwortung tragen. Anders gelagert sind die Probleme in einem Staat wie Russland, in dem es
viele unterschiedliche Lebensräumen von Wüste bis Tundra zu schützen gilt.

10. November 2008, Christian Schwoehrer, Wildenstein (F): Vielfalt und Verbreitung der Schutzgebiete in Frankreich, besonders der „Parcs naturelles“
Frankreich hat als naturräumlich besonders reichgestaltetes Land Europas eine grosse Anzahl an terrestrischen und marinen Schutzgebieten. Die Errichtung und das Management dieser Schutzgebiete unterliegen unterschiedlichen Zielvorgaben und Zielvorstellungen. Detailliert wird die Schutzgebietkategorie der „Parcs naturelles“ vorgestellt, die eine Balance zwischen Vollschutz und menschlicher Nutzung anstrebt.

17. November 2008, Dr. Jürg Paul Müller, Naturmuseum Chur: Neue Pärke in Graubünden – Möglichkeiten, Probleme, Chancen
Der Naturraum Graubünden und seine Pärke und Parkprojekte werden mit ihren Vorzügen und Problemen vorgestellt. Können aus diesen Pärken wirtschaftliche Vorteile für die Regionen gezogen werden? Wie sollen diese Pärke organisiert werden und können beim Management der Pärke Synergien genutzt werden?

8. Dezember 2008, Erika Loser, Bern: Möglichkeiten und Grenzen einer Schutzgebiet-Strategie am Nordrand Amazoniens
Zwischen Amazonas und Karibikküste liegen die grössten zusammenhängenden tropischen Primärwaldflächen auf präkambrischem Untergrund weltweit. Der einmalige Ökoregionskomplex (WWF Global 2000) ist heute noch zu 80 bis >90% bewaldet, doch der Druck durch Abholzung und Goldwäscherei nimmt rapide zu. Auf der Suche nach einer fundierten und praktikablen Schutzstrategie trifft der WWF nicht nur methodische Schwierigkeiten. Der Vortrag gibt Einblick in die Vielfalt der grünen
Reichtümer Guianas und der Bemühungen zu ihrer Bewahrung.