Vorträge 2010

11. Januar 2010, Beat Fischer, Bern: Guadeloupe – Pflanzen- und Habitatvielfalt in der Karibik
Als Christoph Kolumbus am 4. November 1493 als erster Europäer Guadeloupe erreichte, benannte er diese karibische Inselgruppe nach einem spanischen Wallfahrtsort. Heute gehört Guadeloupe zu Frankreich und weist eine enorme Habitatvielfalt auf: Mangroven säumen die Küsten, karges Buschland und trockene Wälder gedeihen im Tiefland, üppiger tropischer Regenwald spriesst im Innern der Hauptinsel von Basse-Terre und führt über in die oft nebelverhangene Bergvegetation des 1467m hohen Vulkans La Soufrière. Die Reichhaltigkeit der Lebensräume widerspiegelt sich auch in einer aussergewöhnlichen Artenvielfalt von rund 1900 Farn- und Blütenpflanzen. Selbst auf dem Gipfel des Vulkans lockt das feuerrote Bromeliengewächs Pitcairnia bifrons die Kolibris an.

18. Januar 2010, Christoph Käsermann, Bern: Pflanzenpatenschaften – Artenschutzprojekt im Kanton Bern mit freiwilligen Mitarbeitern
Seit 5 Jahren läuft im Kanton Bern ein Projekt mit freiwilligen Mitarbeitern um regelmässige Informationen über die Fundorte gefährdeter Pflanzenarten zu erhalten. Im Vortrag wird dieses Projekt und erste Resultate dazu vorgestellt. Geplant ist zudem – passend zum Thema Biodiversität – auch kurz das Biodiversitätsmonitoring der Schweiz (BDM) aus Sicht eines langjährigen Kartierers zu erläutern, garniert mit einigen Felderlebnissen.

25. Januar 2010, Christoph Germann: Käfer, Kräuter und Kanaren
Die Wirtspflanzenbeziehungen phytophager Rüsselkäfer, einer der weltweit artenreichsten Käferfamilien, faszinieren den aufmerksamen Beobachter immer wieder aufs Neue. Schier unerschöpflich sind die Strategien der Besiedlung und der Überwindung von toxischen Inhaltsstoffen. Die Kanarischen Inseln bieten auf kleinster Fläche eine immense Vielfalt an einmaligen Tertiärrelikten im botanischen und zoologischen Sinn. Ich biete Einblick in spannende Entdeckungen die während mehrerer Exkursionen nach Makaronesien gewonnen wurden und zeige dabei die enge Verflechtung zwischen der Erforschung von Phytophagen und der Botanik auf.

1. Februar 2010, Dr. Claire Arnold, Université de Neuchâtel: Vignes sauvages et cultivées, bilan d'une longue cohabitation
La vigne appartient à la famille des vitacées qui comprend une soixantaine d'espèces de Vitis interfertiles. La seule espèce présente naturellement en Europe, V. vinifera, est à l'origine de la viticulture. Répartie sur l'ensemble du bassin méditerranéen, c'est au Moyen Orient que la vigne a été initialement domestiquée il y a plus de 10'000 ans. Les sélections ont permis de créer de nombreuses variétés cultivées pour la production de raisins frais, de raisins secs et de raisins de cuves. La vigne sauvage a longtemps persisté dans les forêts, mais les activités humaines, les introductions de ravageurs et de Vitis exotiques ont contribué à sa disparition. Un regain d'intérêt pour cette proche parente des vignes cultivées renaît, mais il est peut-être trop tard pour la sauver.

8. Februar 2010, Adrian Möhl, Bern: Orchideenhaine, Frühlingswälder und Endemiten – Pflanzenwelt am Gargano
Die Halbinsel des Garganos, der „Sporn des Stiefels“ wartet mit einer äusserst reichen und abwechslungsreichen Flora auf. Besonders bei Orchideenfreunden gilt das Gebiet rund um die Foresta Umbra als El Dorado. Dass der nördlliche Teil von Apulien aber weit mehr als nur Ragwurze und Knabenkräuter zu bieten hat, soll auf einer botanischen Entdeckungsreise quer durch das „Promontorio“ gezeigt werden.

15. Februar 2010, Erika Loser, BLW Bern: Landwirtschaftliche Biodiversitätsförderung im Rahmen der Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems
Die Schweizer Landwirtschaft trägt eine grosse Verantwortung für die Biodiversität: Etwa ein Drittel der Landes-fläche ist landwirtschaftliche Nutzfläche oder Sömmerungsgebiet; viele Lebensraumtypen und auch seltene und gefährdete Arten sind eng an landwirtschaftlich genutzte Räume gebunden. Im Jahr 2008 wurden von BLW und BAFU gemeinsam Umweltziele für die Landwirtschaft publiziert (UZL), und 2009 definierte der Bundesrat in einem Bericht ein Konzept, mit welchem Direktzahlungen künftig konsequent auf die in der Bundesverfassung verankerten gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft ausgerichtet werden sollen (WDZ). Im Vortrag gebe ich einen Einblick in die laufenden Operationalisierungsarbeiten zu UZL-Biodiversität und stelle die für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität vorgesehenen Instrumente im Rahmen von WDZ vor. Auch wird ein Ausblick gegeben auf die damit zusammenhängende, in Diskussion stehende Harmonisierung der Landwirtschafts- und Naturschutzgesetzgebung, unter anderem betr. des Vollzugs der Inventare von nationaler Bedeutung. Der Bericht ist in gedruckter Form beim BBL erhältlich (www.bundespublikationen.ch) und kann von der Homepage des BLW heruntergeladen werden (http://www.blw.admin.ch/themen/00005/00513/index.html?lang=de).

22. Februar 2010, Dr. André Michel, Bern: Blumenstrauss von einigen Gipfeln und Landschaften der Alpen, Südalpen, Südfrankreich, Süd-Italien und Sizilien. Dia-Vortrag in 3-D-Projektion
Es wird ein Blumenstrauss sein, gepflückt auf diversen Exkursionen der letzten Jahre. Wir beginnen im frühen Frühling mit der „Botankreise ins Cilento“ und beenden das botanische Jahr im Hochsommer in unseren Alpen . Dazwischen liegen Besuche von Süditalien, Sizilien, Südfrankreich, interessanter Gipfel der Südalpen –, Monte Baldo, Monte-Barro, Pizzo Arrera – des Mont Ventoux u.a. Es wird keine umfassende Pflanzenliste präsentiert, vielmehr soll uns anhand einiger Schönheiten oder Seltenheiten das Bewusstsein wach gehalten werden über die Vielfalt unserer Natur.

1. März 2010, Dr. Patrick Kuss, IPS Uni Bern: Bierbotanik – eine halbakademische Veranstaltung mit Verköstigung
Welcher Pilz steckt hinter einem Pils? Wie viel Weizen hat ein Weizen? Ist Sake Reiswein oder -bier? Und Kokosbier ein Fruchtsaft? Welche Hexenkräuter führten zum Reinheitsgebot? Warum sind auf dem Schwarzwälder Tannenzäpfle Fichtenzapfen? Wieviel Liter Bier ersetzen eine Mahlzeit? Und beeinflusst der Bierkonsum die Schaffenskraft eines Botanikers? Fragen über Fragen. Eins steht fest: Bier hat so manche botanische Exkursion gerettet und zu den besten Vegetationskarten geführt. In dieser Veranstaltung sollen daher die notwendigen Kenntnisse über Bier und dessen Bezug zur Botanik vermittelt werden; Kenntnisse, die nicht prüfungsrelevant aber nett zu wissen sind.

8. März 2010: Hauptversammlung

1. November 2010, Prof. Dr. Christian Körner, Botanisches Institut Uni Basel: Mehr CO2, Erwärmung, Trockenheit: Was “sagt” der Wald dazu?
Der Vortrag gibt einen Ueberblick über Theorie und experimentelle Befunde zur Wirkung eines erhöhten CO2-Angebotes, wärmeren Temperaturen und ausgeprägteren Trockenperioden auf Waldbäume. Die empirischen Daten werden grossteils aus der Schweiz stammen. Aus der eigenen Forschung werden Resultate der Waldgrenzforschung, der CO2-Anreicherung beim Basler Forschungskran und die bisherigen Befunde zum Wasserhaushalt von unterschiedlichen Baumarten bei Wassermangel vorgestellt. Die Reaktionen sind durchwegs moderater als oft angenommen, was zum Teil in zu einfachen Konzepten zur Erklärung des Pflanzenwachstums unter limitierenden Bedingungen fusst. Unsere Schulbücher bahnen schon den Weg zu solchen Simplifizierungen. Der Vortrag wird daher auch einige grundsätzliche Anmerkungen zum Verständnis des Pflanzenwachstums liefern.

8. November 2010, Prof. Dr. Albert Reif, Uni Freiburg i.Br., Forst- und Umweltwissenschaften: Die Trockengrenze der Rotbuche (Fagus sylvatica L.) in Mittel- und Südeuropa – eine standortskundliche Analyse
Kenntnisse über die Verbreitungsgrenzen von Pflanzengesellschaften und ihrer Ursachen sind grundlegend für eine Vielzahl von Anwendungen, beispielsweise für Modellierungen der Auswirkungen von Klimaänderungen auf die Vegetation, für praktische Fragen der Landnutzung wie etwa Aufforstungen, oder den Schutz von Lebensräumen. Besonders aktuell ist die Diskussion über die Rolle der Rotbuche (Fagus sylvatica L.) als dominierende Waldbaum-Art vor dem Hintergrund der beginnenden Klimaänderungen. Unter der Annahme eines künftig warm-trockeneren Klimas wird diese Baumart künftig ihr Areal nach Norden verschieben. Hinweise auf das Ausmaß des Rückzugs an ihrer Südgrenze gibt eine ökologische Analyse der aktuellen Trockengrenze dieser Baumart in Mittel- & Südeuropa.

15. November 2010, Dr. André Michel, Bern: Blumenstrauss aus Zypern und drei Ionischen Inseln. Dia-Vortrag in 3D-Projektion
Bilder aus botanischen Besuchen von Zypern, den Inseln Ithaka, Kephalonia und Lefkada. Auf der ersten Reise vor 31 Jahren nach Zypern – damals entstanden meine ersten Stereo-Aufnahmen von Blumen – , die letzte vor 8 Jahren, als wir die Ionischen Inseln durchstreiften . Mit Bedauern muss der Botaniker feststellen, dass durch steigende Wohlstandansprüche der Bevölkerung und steigende Touristenzahlen die Artenvielfalt leidet, Standorte verloren gehen. Trotzdem kann man sich noch an einer beachtlichen Anzahl von Raritäten und Schönheiten erfreuen.

29. November 2010, Prof. Dr. Fritz Schweingruber, Forschungsanstalt WSL Birmensdorf: Wie alt die Blumen sind
Die dendrochronologische Forschung – nomen est omen- konzentrierte sich bislang auf Jahrringe der Bäume. Das Studium der Pfahlwurzeln und der Rhizome von Zwergsträucher, und Kräuter jedoch zeigte, dass fast alle zweikeimblättrigen Pflanzen mit sekundärem Dickenwachstum jährliche Zuwachse in Form von Jahrringen aufzeigen. Damit lässt sich die Altersstruktur und die jährlich produzierte Biomasse aller Pflanzen im saisonalen Klima rekonstruieren. Der Befund bestätigte sich am Material aus allen Kontinenten und in allen Klimazonen von der hyperariden Wüste bis in die arktischen Steppen Eurasiens. Damit wird das Forschungsfeld der Dendrochronologie von wenige hundert Arten auf viele Zehntausende erweitert. Mikroskopische Analysen stellen auch den Begriff “Holz” in Frage. Botanisch gesehen weist ein Augentrost (Euphrasia) ebenso ein Holz auf wie eine jährige Buche (Fagus). Beide Arten bilden ein Xylem. Einen Jahrring im ersten 300 jedoch im zweiten. Im Vortrag werden Fragen aufgeworfen ob die ökologische Forschung in Zukunft ohne dendrochronologische und anatomische Studien auskommt. Der ganze Vortrag wird getragen durch die ästhetisch ansprechenden Mikrobilder von Stämmen.

13. Dezember 2010, Dr. Markus Bolliger, BAFU, Bern: Wald ist mehr als Holz – der Schweizer Wald im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Politik
Der Wald ist ein wesentliches Element der Biodiversität in der Schweiz. Als Folge der grossen klimatischen, geologischen und Höhenunterschiede ist er sehr vielfältig, man unterscheidet über 120 Waldgesellschaften, in denen ganz oder teilweise etwa 22'000 Tier- und Pflanzenarten leben, – das sind 40% der einheimischen Fauna und Flora. Obwohl seit vielen Jahrhunderten vom Menschen dezimiert und verändert, gehört der Wald immer noch zu den relativ natürlichsten Lebensräumen der Schweiz. Im Wald stehen weniger Arten auf den Roten Listen als im Agrarland oder in den Feuchtbiotopen, und im Swiss Bird Index zeigt die Kurve der Waldvögel nach oben. Aber auch im Wald gibt es ökologische Defizite und ungenutzte Potenziale – z.B. zuwenig natürliche Dynamik, weil die Alters- und Zerfallsphase im Wirtschaftswald übersprungen wird, sowie die mangelnde Vernetzung der Wälder. Ausgehend vom Vergleich zwischen Wirtschafts- und Naturwald geht der Vortrag der Frage nach, wie das ökologische Potenzial der Schweizer Wälder besser ausgeschöpft werden kann. Welche Instrumente gibt es, um die Naturnähe und die Artenvielfalt des Waldes zu bewahren? Welches sind die Herausforderungen der Biodiversitätsförderung im Wald im heutigen politischen und wirtschaftlichen Umfeld?